Einleitung

"Das Kloster und seine Lebensräume"

Eine allgemeine Einführung




Verehrte liebe Besucher, Besucherinnen unserer Ausstellung "baut nicht der Herr das Haus, mühen sich umsonst, die daran bauen" (Psalm 127/1) Nach 15 Jahren Bauzeit - während der 1. Generalsanierung seit der Barockzeit, in der 15-jährigen Amtszeit von Frau äbtissin Maria Laetitia Fech OCist. - durften wir am 19.03.2011 den Abschluss festlich begehen.

Wir sind sehr dankbar, dass endlich wieder Ruhe in unsere Abtei einzieht.
Wir wollen Sie heute gerne mitnehmen in unser Kloster Waldsassen, sozusagen virtuell auf die Reise mitnehmen, in unser Kloster mit seinen Lebensräumen und sie gehen gleichsam:

  • im Nordflügel Kreuzgang,
  • über die externen Tätigkeitsbereiche, der Schule, des Kultur- und Begegnungszentrums, unserer Umweltstation, unseres Gästehauses St. Joseph,
  • über den Halbklausurbereich der Werkstätten und Hausmeisterei hinein in den
  • innersten Klausurbereich, und dabei erzählen wir Ihnen, wie wir leben.

Sie können über die Bildbiographie des hl. Bernhard von Clairvaux -aus dem Stift Wilhering in 18 Tafeln von Bartolomeo Altomonte und seiner Werkstatt-, Stationen der Vita des hl. Bernhard, unseres größten Ordensheiligen, optisch aufnehmen, textlich lesen, über MP-3-Player die Bedeutung der einzelnen Klausurräume akustisch aufnehmen und über Fotos der Baustelle sehen, was sich in den letzten 15 Jahren an Entwicklung in unserer Abtei getan hat und wie es nun fertig saniert aussieht. (Als Textquellen dienten uns das Buch

  • von Abt Johannes OSB "Wohne bei Dir selbst"
  • von Abtprimas Notker Wolf OSB "Die Botschaft Benedikts" und
  • von P. Dr. Gerhard Winkler OCist. vom Stift Wilfering sind die Texte zum
Bernhardzyklus verfasst.)

Begeben Sie sich virtuell hinein in unser Kloster mit seinen Lebensräumen.
"Wohne bei dir selbst."
Ein bekannter Spruch des Münchner Kabarettisten Karl Valentin, erläutert humorvoll, was der Titel besagen will. "Heute besuch ich mich, hoffentlich bin ich zu Hause!". Diese hintergründige Bemerkung bringt eine urmenschliche Problematik zum Ausdruck. Einerseits sehnen wir uns danach, bei uns zu Hause zu sein, bei uns zu wohnen und andererseits erleben wir häufig, dass wir davon weit entfernt sind. Es scheint gar nicht so selbstverständlich zu sein, dass wir bei uns zu Hause sind. Und es tröstet nur wenig, dass sich schon lange vor unserer Zeit, Menschen auch mit dieser Problematik auseinander setzen mussten. Wie etwa Bernhard von Clairvaux, unser größter Ordensheiliger (1090 bis 1153).
Als ausgemacht aktiver Mönch durchreiste er ganz Europa um die zisterziensische Reformbewegung zu fördern und um die Politik von Kaiser und Papst mitzubestimmen. 38 Jahre lang war er Abt von Clairvaux.
In dieser Zeit gründete er 166 Klöster in ganz Europa, d. h. im Schnitt errichtete er alle zwei bis drei Monate ein neues Kloster.
So verstanden, war Bernhard von Clairvaux von echtem Unternehmergeist ergriffen, doch damit nicht genug. Als Staatsmann vermittelte er zwischen den Gegenpäpsten, verfolgt die Ketzerbewegung in Südfrankreich, rief zum 2. Kreuzzug auf, mischte sich in die theologischen Auseinandersetzungen seinerzeit ein.
Zahlreiche Predigten, Briefe und Traktate sind uns von ihm überliefert.
Fünf Bücher widmete dieser umtriebige Kirchenmann seinem früheren Schüler Bernhard Paganelli, der inzwischen Papst geworden war und als Eugen III. zwischen 1145 und 1153 die Geschicke der christlichen Welt bestimmte.
Inmitten seines Aktionismus, den das neue Amt mit sich brachte, ermahnt ihn Bernhard zur Besinnung. Mit deutlichen Worten legt der Reformabt seinem Mitbruder ans Herz, die vielfältigen Beschäftigungen, die er als "Occupationes" - "Besetzungen" bezeichnet, doch zumindest von Zeit zu Zeit zu unterbrechen, um wieder zur Ruhe zu finden und dadurch wieder zu sich einkehren zu können.
Doch lassen wir ihn selbst zur Wort kommen "höre also, was ich rügen und raten möchte. Wenn du dein ganzes Leben und Wissen für die Tätigkeit aufwendest, für die Besinnung aber nichts, soll ich dich da etwa loben? Wenn dich alle in Beschlag nehmen, so sei auch du selber einer von ihnen. Wieso sollst nur du um das Geschenk deiner selbst betrogen werden?
Wie lange noch willst Du ein Geist sein, der ausgeht, aber nicht heimkehrt. Achte also darauf, dass du dir, ich will nicht sagen immer, nicht aber häufig, doch dann und wann, Zeit für dich selber nimmst."

Mit seiner vorsichtigen Ermahnung, wie Bernhard seine Ratschläge betitelt, schöpft der benediktinische Reformer aus dem reichen Schatz monastischer Spiritualität.
Kein Kloster ist eine Insel der Seligen, sondern das ist vielmehr eine Wunschwelt, eine Utopie. Wer längere Zeit in einem Kloster lebt, der wird das feststellen.
Mönche und Nonnen bleiben weiterhin Menschen mit ihren Stärken und Schwächen.
Dessen ist sich auch der hl. Benedikt -er hat 480 bis 547 gelebt- der Vater des abendländischen Mönchtums, der Patron Europas, zutiefst bewusst.
Entgegen aller menschlichen Schwachheiten beschreibt er dennoch das Kloster als einen Ort, an dem das Leben heil werden und glücken kann.
Voraussetzung für diesen Heilungsprozess ist nach Benedikt, dass der Mönch alles innerhalb der Klostermauern findet, was er zum leben braucht. Daher ist er, wie es in Regel Kap. 66, 6 - 7 steht "das Kloster soll, wenn möglich so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können.
So brauchen die Mönche nicht draußen herumlaufen, denn das ist für sie überhaupt nicht gut."

Es fällt auf, dass Benedikt dabei weniger an Kirche, Speisesaal oder andere Gemeinschaftsräume denkt. Vielmehr benennt er zunächst die verschiedenen Arbeitsbereiche, die Werkstätten die in den Lebensraum des Mönches, d. h. in das Lebensmodell Kloster integriert werden müssen.
Er will nicht, er will verhindern, dass die Mönche umherschweifen. Er sieht die Gefahr des "Sich-Selbst-Verlierens" und fordert darum unmissverständlich die Integration aller Lebensbereiche im Kloster, innerhalb der Mauern.
Dem Mönchsvater geht es letztlich um die Integration der verschiedenen Lebensbereiche in die eigene Persönlichkeit. Diese sollen deshalb im geschützten Bereich des Klosters, innerhalb der Mauern leben.
Benediktinisches Leben wird gerne mit der Kurzformel ORA ET LABORA - "Bete und Arbeite" gedeutet.
Auch wir Zisterzienser, ein Reformorden der Benediktiner, 1098 gegründet, leben nach der Regel des hl. Benedikt. Nach dieser Kurzformel "ORA ET LABORA" - "Bete und Arbeite". Dabei ist das "ET" und das "und" das entscheidende Wort, es kommt auf dieses kleine Wort "ET" an. Wenn menschliches Leben gelingen soll, in einem lebenslangen Prozess, gilt es immer wieder, alle Lebensbereiche neu, in einem intakten Lebensmodell mit einem "ET" zu verbinden.
Benedikt spricht davon, dass sich alles Notwendige auf dem Areal des Klosters befinden soll. Also von dem, was die Not lindert und wendet.
Heilung durch Integration, so könnte das benediktinischen Lebensmodell überschrieben werden, damit der Mönch wirklich bei sich sein kann und nicht außerhalb seiner selbst umherschweifen muss.
Benedikts Anliegen hat in der Architektur unserer Klöster sichtbare Gestalt angenommen.
Der Blick auf den Klosterplan von St. Gallen, der im 9. Jahrhundert entstand, zeigt, was zu diesem Notwendigen alles gehört.
Ausgehend von den Vorgaben der Benediktsregel spiegelt der Plan eine intakte, abgeschlossene Welt wider, die es dem Mönch ermöglicht bei sich selbst zu Hause zu sein.
Der Klosterplan von St. Gallen wurde zum Vorbild für viele andere Klöster, so auch für unsere Gemeinschaft in Waldsassen.
Sie sehen links den Plan von St. Gallen und sie sehen rechts den Plan unseres Klosters Waldsassen.
Sie können sehen, dass auch unser Kloster über alle wichtigen Lebensräume, wie sie der Ursprungsplan des St. Gallener Klosterplans vorgibt, verfügt.